AIM-Jahrestagung 2015: Das Programmheft ist da!

Werner Geigges, Vorstandssprecher der AIM, auf der Jahrestagung 2013. © Sven Eisenreich

Diagnosen sind ein Name für ein unbekanntes Drama

Thure von Uexküll

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Thure von Uexküll weist in seinem Zitat darauf hin, dass Diagnosen „Namen“ sind, d.h. Wirklichkeitskonstrukte, nicht aber Krankheiten. Ein gemeinsamer Suchprozess von Arzt und Patient mit dem Ziel, sein „unbekanntes Drama“, Leid, Kranksein und dessen Folgen zu beschreiben, zu verstehen und zu lindern.Verstehen heißt hier vor allem Kontextualisierung: vor dem Hintergrund der individuellen Lebensgeschichte, der eigenen Persönlichkeit, des eigenen Wertesystems und kulturellen Hintergrunds, gleichzeitig eingebettet in eine sorgfältige klinische und apparative Untersuchung und eine reflektierte Arzt-Patienten-Beziehung, die auch Zugang zu unbewussten Anteilen des individuellen Leids eröffnet. So erschließen sich uns nach Michael Balint Gesamtdiagnosen und in der Begrifflichkeit der integrierten Medizin die Diagnostik von Passungsstörungen in der Organismus-Umwelt-Beziehung unserer Patienten.

Diagnosen sind Namen, d.h. Wirklichkeitskonstrukte, nicht aber Krankheiten.

In der modernen Medizin erfolgte eine Dekontextualisierung von Diagnosen durch eine weitgehend kategoriale Betrachtung von Symptom-Clustern und einer Anhäufung von Partialdiagnosen. Für die Ökonomisierung unserer Medizin im DRG-Zeitalter lässt sich so über Gewichtung und Anzahl von Diagnosen Gewinn maximieren, zumal diesen Diagnosen dann möglichst klare und gut steuerbare medizinische Interventionsprozeduren hinterlegt werden. Eine gefährliche Entwicklung zeichnet sich ab, indem die Grenzen von Gesundheit und Krankheit diagnostisch immer mehr aufgelöst werden und zum Beispiel Verhaltensauffälligkeiten bei Kindern zunehmend diagnostisch erfasst und medikalisiert werden, oder indem durch eine immer umfassendere und leichter zugängliche prädiktive Diagnostik der Mythos Gesundheit im Sinne von Kontrollierbarkeit und Planbarkeit genährt wird, frei nach dem alten Arztzitat: „Es gibt keine gesunden Menschen, sondern nur schlecht untersuchte„.

Diagnosen vor dem Hintergrund all dieser Interessens- und Konfliktfelder zu reflektieren, um eine neue Orientierung für unseren ärztlichen Alltag im Sinne einer ganzheitlichen Medizin zu gewinnen, ist das Anliegen der diesjährigen 18. Jahrestagung der Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin (AIM) in Frankfurt, zu der ich Sie im Namen des Vorstands ganz herzlich einladen möchte.

Ihr Dr. Werner Geigges

Eine Übersicht des Programms und der Referenten finden Sie hier:

Programmheft JT 2015 Programmübersicht

Programmheft JT 2015 Arbeitsgruppen

Programmheft JT 2015 Referenten

Programmheft JT 2015 Organisatorisches

Programmheft JT 2015 Anmeldung

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