Die Paradoxie der Subjekt- und Objektbegriffe

Inzwischen hat sich dieser Subjektbegriff nicht nur im umgangssprachlichen, sondern auch im kritisch reflektierten Gebrauch unserer Sprache[1] weitgehend durchgesetzt: Objekte werden als Teile der Umwelt eines Subjekts von diesem für seine Bedürfnisse und Verhaltensmöglichkeiten „in Form gebracht“[2] .

Damit haben wir zwei Objektbegriffe: einen Objektbegriff der technischen Medizin und einen Objektbegriff einer „biologischen Medizin“, die jedoch Biologie nicht mit Biochemie verwechselt, sondern sich als eine „Biologie der Subjekte“ versteht. Wir haben auch zwei Subjektbegriffe: den Subjektbegriff der technischen Medizin, die den Arzt als Techniker-Subjekt definiert, und den Subjektbegriff einer Medizin der Subjekte, für die die „Objekte“, mit denen sie umgeht, auf jeder Stufe – vom Einzeller bis zum Menschen – Subjekte sind. Sie steht daher immer vor dem Problem, dass die Begriffe „Subjekt“ und „Objekt“ sich widersprechen. Begriffe, deren Definition sich selbst widerspricht, nennt man paradoxe Begriffe.


[1]„Subjekte sind informationell und operationell geschlossene Systeme, die (nach Maturana) ihre Umwelten durch ihr Verhalten beschreiben. Die Beschreibung dieser Umwelten durch einen menschlichen Beobachter ist daher immer eine ‚Beschreibung zweiter Ordnung‘ “ (Simon 1993).

[2] Dieser Subjekt-Begriff wurde auch von der Wissenschaftstheorie des „Konstruktivismus“ adoptiert: „Soviel ich weiß, hat Piaget keinen Kontakt mit den Arbeiten Jacob von Uexkülls gehabt; es gibt jedoch eine gewisse Ähnlichkeit der Ideen beider Denker. … Beide Autoren sind zutiefst von Kants Einsichten beeinflusst, dass all das, was wir nennen, notwendig in hohem Maße, wenn nicht insgesamt von den Wahrnehmungs- und Denkmöglichkeiten des erkennenden Menschen bestimmt ist“ (Glasersfeld 1996).

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