Mustercurriculum Kommunikation in der Medizin

AIM-Mitglied Jana Jünger und Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe. Foto: Universitätsklinikum Heidelberg.

AIM-Mitglied Jana Jünger trifft Hermann Gröhe

Gute Gesprächsführung kann man lernen

Im Lehrbuch Auf der Suche nach der verlorenen Kunst des Heilens„, das die Grundlagentexte der Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin (AIM) zusammenfasst, gibt es ein Kapitel von Thure von Uexküll, das die Zwischenüberschrift trägt: „Die Unfähigkeit der medizinischen Fakultäten zu einer Reform des Unterrichts.“ Uexküll fordert darin dringend eine Reform der Ausbildung zum Arzt. Diese scheint nun mit dem „Nationalen longitudinalen Mustercurriculum Kommunikation in der Medizin“  (kurz: LongKomm) zumindest partiell auf den Weg gebracht.Die Heidelberger Professorin Jana Jünger (Oberärztin an der Medizinischen Universitätsklinik für Allgemeine Innere Medizin und Psychosomatik, Leiterin des Kompetenzzentrums für Prüfungen in der Medizin BaWü und langjähriges AIM-Mitglied) hat als Projektleiterin mit ihrem Team das „LongKomm“ ausgearbeitet. Die Ergebnisse wurden in Heidelberg gemeinsam mit Gesundheitsminister Hermann Gröhe präsentiert.

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Wichtige Grundlagentexte der Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin (AIM) sind in diesem Buch zusammengefasst.

Der Musterlehrplan „LongKomm“ soll künftig für alle 37 deutschen Fakultäten gelten. Insgesamt soll der richtigen Kommunikation in 300 Unterrichtstunden Rechung getragen werden. In „Sommerschools“ werden beispielsweise Tutorinnen und Tutoren zu Studentischen Kommunikationstrainern fortgebildet.

Jana Jünger sensibilisiert ihre Studenten seit 15 Jahren für das Thema Kommunikation. Seit dem 1. März 2016 ist sie Direktorin des Instituts für medizinische und pharmazeutische  Prüfungsfragen (IMPP). Sie weiß, dass eine gute Gesprächsführung nicht automatisch jedem Arzt in die Wiege gelegt ist, ist sich aber sicher, dass diese Fähigkeit genauso wie Empathie erlernt werden kann. Neben einer angemessenen Vermittlung der Diagnose und Therapie stehen Ärzte auch weiteren drängenden Fragen gegenüber: Wie reagiere ich, wenn meine Patienten mich nicht verstehen können – z.B. bei Hörschwäche, Migrationshintergrund, verminderter Auffassungsgabe? Inwieweit können Angehörige einbezogen werden? Wie spreche ich über Fehler?

Vieles hängt von der richtigen Kommunikation zwischen Arzt und Patient ab, z.B. das therapieunterstützende Verhalten des Patienten und das Verständnis für seine eigene Erkrankung. Dennoch wurde dem Thema Kommunikation im Lehrplan der verschiedenen Medizinischen Fakultäten unterschiedliches Gewicht beigemessen und zum Teil eher theoretisches Wissen vermittelt.

Die Lehre von den Zeichen (Semiotik) und deren Intepretation spielt neben dem Konstruktivismus und der Systemtheorie eine zentrale Rolle in der Theorie einer Integrierten Medizin Thure von Uexkülls. Er hätte daher an dieser Reform sicher seine wahre Freude gehabt.

Der Schattauer-Verlag begleitet das Projekt und seine Implementierung medial durch regelmäßige Veröffentlichung der Ergebnisse in der Fachzeitschrift Medizinische Welt. Folgende Beiträge sind dazu bereits erschien:

Anamnesegruppen als Einstieg in die Gesprächsführung und Arzt-Patient-Beziehung

Ärztliche Gesprächsführung in der medizinischen Aus- und Weiterbildung

Kommunikative Herausforderungen bei Patiente mit somatoformen Störungen meistern

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Sven Eisenreich
Dr. med. Sven Eisenreich
Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie