Das Coronavirus ist nicht unser Feind – es ist einfach da!

Das Gute fördern, nicht das Böse bekämpfen!

Ein Leserbrief von Katja Walesch

Katja Walesch ist Allgemeinärztin in Frankfurt am Main in eigener Praxis und Mitglied der Thure von Uexküll-Akademie für Integrierte Medizin (AIM).

Sie hat als eine der ersten Leserinnen auf den Blog “Hotel Corona” reagiert und mir ihre Gedanken dazu geschrieben. Wir haben vereinbart, einen Briefwechsel hier zu veröffentlichen.

Lieber Sven,
danke für Deine Mail und die Idee des “Corona-Letters” (…)

Mir geht seit Wochen unter anderem durch den Sinn, was es eigentlich bedeutet, daß Kliniken und Praxen geleert werden mit der Begründung, “medizinisch nicht notwendige Behandlungen” zugunsten der potentiellen Versorgung von CoViD-19-Patienten zurückzustellen. Das halte ich für eine sehr gefährliche Formulierung, mit der die Tätigkeit der Ärzte subtil in Frage gestellt wird: Es ist eine Formulierung, die offensichtlich ein Gremium von Nichtärzten (bzw. nicht an der gesundheitlichen Versorgung der Menschen beteiligten) kreiert haben: Diese Formulierung steht für in ihrer Evidenz nicht in offiziellen Studien untersuchten Behandlungen, die nicht in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen sind, weil sie als wissenschaftlich nicht ausreichend belegt gelten (…).

Damit kenne ich mich aus, weil ich als Allgemeinärztin und als Ärztin für Osteopathische Medizin, Bewegungstherapie und Körperpsychotherapie regelmäßig damit konfrontiert bin.

Auch ich halte es für eine fragwürdige und riskante Handlung, aufgrund der Coronavirus-Pandemie quasi alles andere zurückzustellen. Pinkowski, der Präsident der hessischen Landesärztekammer, spricht das aus und warnt davor, die Versorgung der anderen Patienten vor dem Hintergrund der Coronavirus-Ausbreitung zu vernachlässigen:

Pressemitteilung LAEKH

Wenn Kliniken beispielsweise planbare Operationen vertagten mit der Begründung, es handele sich um “medizinisch nicht Notwendiges”, dann wird impliziert, daß unzählige Operationen und Behandlungen, die tagtäglich stattfinden (auf die viele Patienten übrigens oft wochen- und monatelang warten), im Grunde überflüssig sind. Ein interessanter Gedanke, der dazu führen müßte, unser gesamtes hochwertiges Gesundheitssystem aufrichtig und gewissenhaft zu überprüfen.

Es ist seit jeher und insbesondere heute kurzsichtig, Geist und Seele abzukoppeln von der menschlichen Physis: Was machen denn jetzt die Menschen mit ihren Depressionen, Zwängen, Ängsten, Aggressionen, Suizidgedanken? Wie werden persönliche Krisen, die unweigerlich in einer globalen gesundheitssystemischen und wirtschaftlichen Krise entstehen, abgefedert und in zuversichtiche Energien umwandelbar? Die vielschichtigen und tiefreichenden Resonanzen dieser wuchtigen Krise können wir weder überschauen noch einschätzen. Und alles andere als marginal werden sie auch auf die Seele(n) der Menschen wirken.

Die Reaktion auf die Corona-Krise ist eine beispielhafte globale Stressreaktion. Das Kind ist längst in den Brunnen gefallen. Die Entscheidungen, die getroffen werden, werden sicher nicht leichtfertig getroffen. Optimum bedeutet: Das Bestmögliche unter den gegebenen Bedingungen. Was jetzt NOT-wendig ist: Bedingungslose Aufrichtigkeit und KoRespondenz im Sinne des Wortes: Sich miteinander ver-Antworten, immer wieder und immer wieder.

Aufgefischt: Angesichts der Coronavirus-Krise hat UNO-Generalsekretär Antonio Guterres zu einem “sofortigen weltweiten Waffenstillstand” aufgerufen.

Zivilisten in Konfliktgebieten müssten vor den verheerenden Auswirkungen der Pandemie geschützt werden, sagte Guterres heute bei einer Rede im UNO-Hauptquartier in New York. Die Heftigkeit des Virus verdeutliche, wie “unsinnig” Kriege seien, sagte Guterres.
(news@orf.at, 23.03.2020)

Diese Nachricht erwähnte der Nachrichtensprecher Christian Sievers gestern in den heute-Nachrichten um 19.00 Uhr. Und schloss mit dem Satz: “Eine gute Idee, und das nicht nur in Zeiten, in denen wir alle, egal wo auf diesem Planeten, einen gemeinsamen Feind haben.”

Genau hier ist der Denkfehler: Das Coronavirus ist nicht unser Feind, es ist einfach da. Wir müssen unseren Ansatz ändern: Das Gute fördern, nicht das Böse bekämpfen!

In diesem Sinne

Liebe Grüße, Katja Walesch

corona@aim.com.de

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